Nachträgliche Horizontalsperre sichert historische Bestände im Rathauskeller
Im Gewölbekeller des ehemaligen Schul- und heutigen Rathausgebäudes lagern seit 1983 auf rund 525 laufenden Metern Regalfläche Akten, Pläne und Dokumente aus drei Jahrhunderten Reilinger Geschichte. Damit dieses wertvolle Archivgut dauerhaft geschützt bleibt, müssen die klimatischen Bedingungen – insbesondere die Luftfeuchtigkeit – stabil sein.
In zwei Archivräumen, die an die Hockenheimer- und Schulstraße grenzen, hat sich die Situation zuletzt jedoch deutlich verschärft. Durch die Fugen der Sandsteinmauern dringt Feuchtigkeit von außen ein und führt zu einem dauerhaft überhöhten Feuchteniveau, das selbst mit Entfeuchtungsgeräten nicht mehr beherrschbar ist. Abblätternder Putz, feuchte Wandzonen, muffiger Geruch und bereits geschädigte Archivalien zeigen das Ausmaß des Problems.
Als Hauptursache wurde eine fehlende oder defekte Horizontalsperre identifiziert. Ohne diese Barriere steigt Feuchtigkeit kapillar aus dem Erdreich in das Mauerwerk auf und belastet die Innenräume.
Die KWG Reilingen mbH als Eigentümerin des Gebäudes hat daher entschieden, die Schäden dauerhaft zu beseitigen. Mit der Sanierung wurde die MW Haustechnik Manfred Walter aus Neulußheim beauftragt. Die Kosten belaufen sich auf rund 29.000 Euro brutto, die Arbeiten erstrecken sich über mehrere Wochen. „Wenn wir die Probleme nicht angehen, drohen dauerhafte Schäden am Mauerwerk und gesundheitliche Risiken“, betont KWG-Geschäftsführer Christian Bickle. Auch das empfindliche Archivgut sei erheblich gefährdet.
Sanierungsarbeiten mitten im Hochsommer
In der ersten Augustwoche – während der vierten Hitzeperiode des Sommers – hat das Spezialistenteam seine Arbeiten im Untergeschoss aufgenommen. Bei geöffneten Türen der nicht klimatisierten Amtsräume bekommen die Beschäftigten im Rathaus die intensiven Arbeiten unmittelbar mit: Lärm, Hitze und echte Knochenarbeit im Archivbereich.
Für die neue Horizontalsperre wurden zunächst Putz und Farbschichten der betroffenen Wandflächen entfernt. Anschließend brachte man im Abstand von 12 Zentimetern und auf rund 23 Metern Wandlänge Bohrkanäle in das durchfeuchtete Mauerwerk ein. Diese wurden mit einer Injektion aus Kiesol?C?Verkieselungskonzentrat sowie aufgebrachten Sulfateschlämmen der Firma Remmers wieder verschlossen.
Die Innenflächen der Außenwände erhalten zusätzlich eine Verkleidung mit Calciumsilikatplatten, die Feuchtigkeit puffern und Schimmelbildung vorbeugen. Ein abschließender Anstrich mit Color?Silikatfarbe sorgt für ein dauerhaft diffusionsoffenes und optisch ansprechendes Ergebnis.
Mit der Sanierung schafft die KWG Reilingen die Voraussetzungen für ein stabiles Raumklima und schützt damit das historische Gedächtnis der Gemeinde. Die Maßnahmen sichern nicht nur das Mauerwerk, sondern vor allem die wertvollen Archivalien, die für die Dokumentation der Reilinger Geschichte unverzichtbar sind. (jd)
Fotos: KWG